HALIKARNASSOS

Halikarnassos war eine antike griechische Stadt an der Südwestküste Kleinasiens auf dem Gebiet des antiken Kariens, Heute wird Halikarnassos weitgehend von der modernen Touristenstadt Bodrum überdeckt. Halikarnassos wurde in der klassisch-griechischen Antike durch das Mausoleum (Maussollaion) berühmt. Auf der Halbinsel Bodrum konnten aus dem 14. bis 12. Jhd. v. Chr. mykenische und hethitische Siedlungsspuren aufgedeckt werden. Ab 480 v. Chr., zur Zeit der Kriege des Perserreiches gegen Athen, Sparta und weitere griechische Poleis, herrschte in dem Gebiet eine karische Dynastie. Diese wurde nach dem Tod ihres Begründers, von dessen Tochter Artemisia I. als Königin, weitergeführt. Sie regierte im Interesse der Perser über Halikarnassos sowie über die Inseln Kos und Nisyros. Am Griechenlandfeldzug der Perser beteiligte sich die Königin mit fünf Schiffen auf Seiten der Perser. Nach ihrer Niederlage in der Seeschlacht von Salamis, verließen die Perser zunächst die Region.

Im 5. Jhd. v. Chr. gehörte Halikarnassos dem Attisch-delischen Seebund unter Athens Führung an (Bündnis von etwa 200 griechischen Städten zur Abwehr persischer Angriffe). Durch die Herrschaft der karischen Dynastie verstärkte sich der kulturelle Einfluss Kariens auf Halikarnassos, wobei ihr griechischer Grundcharakter gewahrt blieb. Dabei dürfte eine Rolle gespielt haben, dass die griechische Bevölkerung in einem Aufstand zwischen 460 und 457 v. Chr. die Autonomie für Halikarnassos erstritten hatte. Im 4. Jhd. v. Chr. geriet Karien erneut unter persische Oberhoheit. Ab 392 v. Chr. herrschte Hekatomnos von Mylasa als persischer Satrap über Karien. Er schuf die Dynastie der Hekatomniden die von seinen Kindern weiterentwickelt und ausgestaltet wurde. Er hatte drei Söhne, Mausolos, Idrieus, Pixodaros und zwei Töchter, Artemisia II. (die „Jüngere“ Artemisia) sowie Ada. Artemisia wurde mit Mausolos, Ada mit ihrem Bruder Idrieus verheiratet (Geschwisterehen). Sie dienten der Absicherung der dynastischen Macht, hier auch als Satrapie. Maussolos folgte seinem Vater nach dessen Tod im Jahr 377.v. Chr. als Herrscher und machte anstelle von Mylasa das kleinere Halikarnassos zur Hauptstadt. Für die Stadt begann eine Phase intensiver Bautätigkeit. Es wurden mehrere Kilometer der Stadtmauer gebaut. Er ließ für sich einen mit Marmor verkleideten Palast errichten, in Wertschätzung für die griechische Kultur entstanden auch ein Theater und ein Tempel. Zugleich wurde die Schaffung von Wohnraum forciert. Dieser Umstand und administrative Maßnahmen (Umsiedlung von Nachbarsiedlungen nach Halikarnassos) führten zu einem enormen Bevölkerungszuwachs. Nach seinem Tod im Jahr 353 v. Chr. herrschte seine Frau bzw. Schwester, Artemisia II., über Karien und Rhodos. Zur ständigen Erinnerung an ihren verstorbenen Gemahl ließ sie ein prachtvolles Grabmal errichten, das Mausoleum (Maussollaion) von Halikarnassos. Es fand als eines der „Sieben Weltwunder“ der klassischen Antike Eingang in die Geschichtsschreibung der Menschheit. Artemisias Ruhm ist auch darin begründet, dass sie die Rhodier besiegt hat, als diese ihr das Königreich entreißen wollten. Dieses rhodische Kriegsabenteuer endete mit der Besetzung von Rhodos durch Artemisia. Nach dem Tod Artemisias im Jahr 351 v. Chr. herrschten nacheinander ihre Brüder, wobei die Schwester Ada von ihrem Bruder Pixodarus 340 v. Chr. vertrieben wurde. 335 v. Chr. fand die Satrapie Karien aus machtpolitischen Gründen auf Seiten der Perser ihr Ende und zugleich die Dynastie der Hekatomniden in Karien.

334 v. Chr. war Halikarnassos die letzte Bastion der Perser gegen die kriegerischen Eroberungen A. d. G. in Kleinasien. Erst 333 v. Chr. gelang es diesem, nach einjähriger, opferreicher Belagerung auf beiden Seiten, die Stadt zu bezwingen. Unter angeblicher Schonung der Bürger ließ er Halikarnassos zerstören, wobei der Palast und das Mausoleum wohl nicht betroffen waren. A. d. G. setzte die Tochter des Hektamos, Ada, als Regentin in Karein ein. Der Tod A. d. G. führte in der Folge zu den Kriegen der Diadochenreiche gegen einander. Auch Halikarnassos und dessen Bürger waren von diesen Herrschaftswechseln betroffen. Es war die unruhige, von wiederkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen geprägte Epoche des Hellenismus. Von etwa 280 v. Chr. bis 200 v. Chr. gehörte Halikarnassos zum ptolomäischen Reich, danach zum Seleukidenreich. Die Seleukiden hatten die griechischen Städte in Kleinasien – auch Halikarnassos – unterworfen und dadurch ihr Einflußgebiet erweitert, was den Interessen Roms zuwiderlief. Die Spannungen zwischen den Seleukiden und Rom führten zum Römisch-Syrischen Krieg, in dessen entscheidender Schlacht bei Magnesia die Seleukiden 190 v. Chr. besiegt wurden. Halikarnasos stand auf der Seite Roms, wodurch es für längere Zeit seine Autonomie sichern konnte. Im Friedensschluss von Apameia im Jahr 188 v. Chr. mussten die Seleukiden große Teile ihres Reiches an Rhodos und an das Pergamonreich abtreten. Seit 129 v. Chr. gehörte Halikarnassos zur römischen Provinz  Asia. Im Jahr 63 v. Chr. setzte der römische Feldherr Pompeius dem Seleukidenreich ein Ende. Halikarnassos‘ Ansehen und Stellung in der antiken Welt wurde u. a. durch dessen „Söhne“, Herodot („Vater der Geschichtsschreibung“), den Dichter Heraklit und den Historiker Dionysos begründet. In der römischen Kaiserzeit und der Spätantike hatte Halikarnassos offenbar an Bedeutung verloren, Allerdings taucht Halikarnassos in der Geschichtsschreibung auf, als es u. a. während der römischen Kaiserzeit seinen Gründungsmythos weiterentwickelte, um seinen griechischen Ursprung in Rom begründen zu können. Derartiges konnte zu einer privilegierten Stellung der Stadt im römischen Reich führen., z. B. zur Erlaubnis den Kaiserkult ggf. durch einen Tempelbau zu etablieren. Dies war eine deutliche Aufwertung der Stadt. Die nachfolgenden Fotos entstanden auf einer geführten Privatreise im Frühjahr 2022. Wikipedia-Artikel zu HALIKARNASSOS, KARIEN, HEKATOMNIDEN und SELEUKIDEN

Literaturquellen: Geschichte Kleinasiens in der Antike, @ Verlag C. H. Beck oHG München, 2. durchgesehene Auflage 2010, Chr. Marek (P. Frei), S. 162, 204, 208-209, 222, 230, 244-248. 285-290, 588-589 / Dumont Reise-Handbuch Türkei, Westtürkei – Zentralanatolien, @ DuMont Reiseverlag, 1. Auflage 2011, H. E. Latzke, S. 252-255, / Antike Stätten am Mittelmeer, Metzler Lexikon, Verlag J. B. Metzler, 1999, D.O.A. Klose, S. 508-511 / Antike, Metzler Lexikon, Verlag J: B: Metzler, 2. Auflage, 2006, S. 42, 60, 71, 358, 374-375, 486, 457-459 543, 643 / Kleinasien 3, Jenseits des Mäander Karien mit dem Vilayet Mugla, Verlag W. Kohlhammer GmbH, 2. Auflage 1985, G.E. Bean (Übersetzung: J. Wiesner, U. Pause-Dreyer), S. 105-120,, 52, 65, 130,150, 163 & 19, 31, 97, 110, 180 / Metropolen der Antike; jean-Claude Golvin; Deutsche Ausgabe 2019, Sonderausgabe 2021 by wbg (Wissenschaftliche Buchgesellschaft), Darmstadt, wbg Philipp von Zadern, (Übersetzung von G. Lüscher, B. Lamerz-Beckschäfer), Seiten: 94-96 | Bildnachweise: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons /Halikarnaso_mauzoliejus_prof._Adlerio_rekonstrukcija_1908_m.jpg (gemeinfrei), https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:House_of_the_Temple.de, https://upload.wikimedia.org/ wikipedia/commons/Bodrum porta_di_myndos_01.JPG

 

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