SARDES

Sardes oder Sardeis (heute türkisch Sart) war eine antike Stadt im Hermostal am Fuße des Tmolos-Gebirges auf dessen Gipfel die Zitadelle (Burg) lag. Die Ruinenstadt liegt etwa 10 km westlich der modernen Stadt Salihli in der türkischen Provinz Manisa und ca. 75 km östlich von Izmir (antik:Smyrna) entfernt. In der mythologischen Erzählung geht die Gründung der Siedlung auf die Dynastie der Herakliden, die sich als Nachfahren des Herakles sahen, zurück. Den letzten König dieses Geschlechts ließ seine Frau töten, und heiratete dessen Mörder. Dieser wurde daraufhin der neue König. Sardes war die Hauptstadt des antiken Königreichs Lydien, das sich durch hochentwickeltes Handwerk und Gewerbe auszeichnete. Die Stadt war nach historischer Quellenlage das Zentrum der Herstellung sowie des Färbens von Wolle und Geweben, u. a. Teppiche. Sardes soll eine wohlhabende Stadt gewesen sein, deren Reichtum auf die Gewinnung von Gold und den damit verbundenen Handel zurückgeführt wird. Zu deren Wohlstand trugen deren verkehrsgünstige Lage sowie die Erträge aus der Landwirtschaft in der fruchtbaren (antiken) Hermosebene bei.

Für die archaische bzw. vorgriechische Zeit wird in der Literatur die Herrschaft der Hethiter bzw. der Herakliden beschrieben. Nach den Herakliden folgte die Herrschaft des Geschlechts der Memnaden ab ca. 675 v. Chr. Mit dem Sieg der Perser über den letzten Memnaden-König Kroisos im Jahr 546 v. Chr. fand das Königreich Lydien sein Ende. Die Perser erhoben Sardes unter dem Namen Sparda zur Hauptstadt ihrer Satrape in Lydien. Während des Ionischen Aufstandes gegen das persische Regime im Jahr 499 bis 494 v, Chr. wurde Sardes, das zur vorgenannten persichen Satrape gehörte, von den Griechen (hier: Sparta und Athen) zerstört. Es folgten die persischen Kriege (490 – 479 v. Chr.). De Stadt war auch im Peloponnesischen Krieg (431 – 404 v. Chr.) auf Seiten Spartas gegen Athen aktiv. Sardes war der Ort, in dem 387/386 v. Chr. der Friedensschluss zwischen den Persern und Sparta erfolgte, der Sparta die Oberhoheit in Griechenland brachte und den Persern die Herrschaft über die kleinasiatischen griechischen Städte.sicherte (Königsfriede oder nach seinem Urheber Antalkidas-Friede in der Geschichtsschreibung genannt). Die Aufstände persischer Satrapen (Statthalter) um 362 v. Chr. gegen die Zentarmacht ihres Königs bescherte der Region erneut Unruhen.

Nach dem Sieg A. d. G. in der Schlacht am Granikos im Jahre 334 v. Chr. etablierte sich auch in Sardes die hellenistische Kultur und Lebensweise; es wurde Teil der hellenistischen Welt. Sardes hatte seine Burg und seinen Schatz kampflos dem Eroberer übergeben, worauf er der Stadt – eine der Situation angemessene – freundliche Behandlung zuteilwerden ließ. Während der Zeit der Alexander-Nachfolger (Diadochen) gab es mehrere Herrschaftswechsel für Sardes. Ab 281 v. Chr. gehörte Sardes zum Reich der Seleukiden im vorderen Orient (u. a. Syrien). In Sardes wurden unter den Seleukiden jüdische Kriegsveteranen angesiedelt., Die Stadt war wichtigster Sitz der Seleukiden im anatolischen Kleinasien. Zwischen 189 und 129 v. Chr. gehörte die Stadt zum Reich von Pergamon.

Mit der testamentarischen Schenkung des letzten pergamenischen Königs 129 v. Chr. von Pergamon an Rom wurde Sardes ab 133 v. Chr. Teil der römischen Provinz Asia, Erst 129 V. Chr. wurde dieser Umstand wegen Erbstreitigkeiten zur politischen Wirklichkeit für Rom Im Jahr 17 n. Chr. wurde Sardes von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Der römische Kaiser Tiberius (regierte: 14 bis 37 n. Chr.) unterstützte großzügig den Wiederaufbau des Ortes. Die römische Kaiserzeit war für Sardes eine erneute Blütezeit, was sich an den Ruinen der Gebäude aus dieser Epoche ablesen lässt. Sardes hatte den römischen Rang einer „Mutterstadt“, wo hingegen der römische Status des Ortes als „Metropole“ nicht belegt ist. Diese Einstufungen hinsichtlich der Bedeutung der Orte brachten Vergünstigungen für diese mit sich, was auch zu Konkurrenzverhalten untereinander führte. Im Byzantinischen Reich verlor Sardes an Bedeutung, bewahrte aber seine Eigenständigkeit unter der Oberhoheit von Byzanz, trotz der seldschukischen Überfälle und Verwüstungen am Ende des 11. Jhd. n. Chr. Laut Geschichtsschreibung wurde Sardes 1402 n. Chr, zerstört. Bis zum 19. Jhd. lag der antike Ort Sardes verwüstet unter Schutt, wobei einzelne Ruinen sichtbar waren.

Nach religionsgeschichtlicher Darstellung soll in Sardes kurz nach dem Tod Jesu eine urchristliche Gemeinde entstanden sein, wofür die frühere Ansiedlung jüdischer Veteranen eine günstige Bedingung war. Sardes war eine der sieben Gemeinden der Offenbarung des Johannes, in der diese Gemeinden im Geiste des Urchristentums ermuntert und in ihrem urchristlichen Glauben bestärkt wurden. Die Ruinenstätte gliedert sich in zwei Bereiche: Die „alte“ Stadt wird geprägt durch den Tempel der Artemis. Die Gründung der Kultstätte der Artemis soll im 5. Jhd. v. Chr. unter griechischem Einfluss erfolgt sein. Sie führte die Tradition des lydischen Kybele-Kultes fort. Im Ionischen Aufstand von 499 v. Chr. wurde der Tempel zerstört. Der wiedererstehende Bau sollte zu den größten Tempelbauten in Kleinasien zählen, wurde aber nie vollendet. Von der geplanten Dimension des Tempels zeugen die gigantischen Säulenreste. Neben dem Tempel wurde in frühbyzantinischer Zeit eine Kapelle errichtet. Der neue Stadtteil, der von den Römern erschaffen wurde, umfasst eine spätantike Laden-Straße, eine Synagoge und einen Bad-Gymnasion-Komplex mit einer sehr großen Palästra .(Sporthof). 211 n. Chr. wurde diese Gesamtanlage fertiggestellt, deren Kernstück der vollständig restaurierte Marmorhof ist. Der Bau besticht durch seinen Marmorschmuck und die sehr gelungene Ausführung der spiralig gedrehten Kanneluren der Säulen. Die Synagoge hatte eine gediegene Marmorausstattung, beherbergte zwei Schreine für die Aufbewahrung der Thorarollen und einen Atlar, an dessen Seiten sich bis heute Löwenskulpturen befinden. Artikel bei Wikipedia zu: SARDES

Literaturquellen: Geschichte Kleinasiens in der Antike, @ Verlag C. H. Beck oHG München, 2. durchgesehene Auflage 2010, Chr. Marek (P. Frei), S. 152/153, 191-193, 199-201, 228, 261, 316, 411, 465, 504, 522, 547, 554 / Dumont Reise-Handbuch Türkei, Westtürkei – Zentralanatolien, @ DuMont Reiseverlag, 1. Auflage 2011, H. E. Latzke, S. 225 / Antike Stätten am Mittelmeer, Metzler Lexikon, Verlag J. B. Metzler, 1999, D.O.A. Klose, S. 604-609 / Die Römischen Kaiser Chris Scarre, Lizenzausgabe für Welrbild-Verlag, 1998; S. 28-35 / Griechische Mythologie, Verlag Michalis Toubis S. 17 & 53, Athen, @1995, Sofia Souli, Übersetzung. H. E. Langenfass, S. 38/39, 64-80 // Antike, Metzler Lexikon, Verlag J: B: Metzler, 2. Auflage, 2006, S. 302

 

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