SPARTA

Das Stadtgebiet lag dicht am rechten Ufer des Flusses Eurotas inmitten einer fruchtbaren Ebene zwischen zwei Gebirgszügen, die einen gewissen Schutz boten. Man schätzt, dass in der Stadt selbst um die 40.000 bis 50.000 Personen lebten. Der Mythos von Hyakinthos, der von Apollon durch einen Diskuswurf getötet worden sein soll, lässt eine archaisch-vorgriechische Besiedlung der Region vermuten. Die Mythen um Leda, Menelaos und Helena stehen auch in Verbindung zu Sparta. König Menelaos wurde später im Heiligtum Menelaion verehrt.

Etwa 1050 v. Chr. begannen die Dorier das Gebiet zu erobern und ab 950 v. Chr. Siedlungen zu gründen. Vier dieser Dörfer wurden dann zu Sparta vereint, ab 800 v. Chr. gehörte auch Amyklai dazu. In Sparta wurden die eroberten Gebiete – im Gegensatz zu Athen – nicht eingemeindet, weswegen die Bevölkerung, gemessen an der politischen und militärischen Stärke Spartas, um 600 v. Chr. mit ca. 40.000 Bewohnern, relativ klein war. Spartas Macht beruhte auf einer besonderen Staats- und Gesellschaftsform, die sich von den Gegebenheiten anderer griechischer Städte bzw. Stadtstaaten deutlich absetzte, so auch von der Attischen (athenischen) Demokratie. Spartas staatliche Verfasstheit galt bereits in der antiken Literatur als Mischform aus Monarchie, Oligarchie und Demokratie. Das Gesellschafts- und Staatsmodell war sehr wehrhaft organisiert. In der Geschichtsbetrachtung wird es als männlich-militärisch geprägter Staat charakterisiert, dessen oberste Ziele Manneszucht und Wehrbereitschaft waren. Aus dieser „Staatsdoktrin“ erwuchs die später als spartanisch bezeichnete Lebenshaltung der Spartiaten (bestimmende Bevölkerungsschicht). Sparta war einige Jahrhunderte lang die stärkste Militärmacht im antiken Griechenland.

Die Verfassung Spartas wurde in bzw. mit der Großen Rhetra festgelegt. Diese soll ein in Delphi erbetener Orakelspruch gewesen sein. Der etwa um 650 v. Chr. entstandene Text wird als das wohl älteste Dokument der griechischen Verfassungsgeschichte angesehen. Damit wurden die politischen Institutionen Spartas begründet: das Doppelkönigtum, der Ältestenrat (Gerusia), die Volksversammlung (Apella) und später noch vervollkommnet durch die Ephoren. Die politische Teilhabe war in Sparta auf eine Minderheit von Vollbürgern, den Spartiaten, begrenzt. Die Spartiaten bildeten als Elitekämpfer das Rückgrat des Spartanischen Heeres.  Der Bürgerwille war nicht die oberste Handlungsmaxime, sondern eine stets handlungsfähige Militärmacht. Die Verfassung (Rhetra) regelte das gesellschaftliche Leben in Sparta.

Seine militärische Stärke mit dem elitären Heer ermöglichte es Sparta, lange Zeit die Entwicklung ganz Griechenlands entscheidend zu beeinflussen. So spielte es eine wichtige Rolle in den Kriegen gegen die Perser und siegte 404 v. Chr. im Peloponnesischen Krieg über Athen. Geschichtsprägend waren die Messenischen Kriege, die Sparta in den Jahren 740-720, 660 und 464-459 v. Chr. zur Machtausübung in Messenien führte. Die wiederkehrenden kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Nachbarn (u. a. mit Argos und Athen), die im Verlaufe der Zeit zunehmend mit Hilfe von Bündnispartnern ausgetragen wurden, sind ebenfalls mitprägend für die historische Wahrnehmung Spartas. Die Gründung des „Peloponnesischen Bundes“ im Jahr 550 v. Chr. unter Führung Spartas war der Höhepunkt seiner Entwicklung als Militärstaat und Hegemonialmacht. Verbunden war das mit einer Vernachlässigung des Kulturellen und führte letztendlich zu den berühmt-berüchtigten „Spartanischen Sitten“. Durch seine straffe militärische Organisation bewahrte sich Sparta allerdings nach den Kriegen und Aufständen seiner Anfangszeit im 8./7. Jhd. v. Chr. 400 Jahre lang innere Stabilität ohne Bürgerkriege. Dennoch gelang es Sparta nicht, seine über längere Zeit errungene hegemoniale Machtstellung dauerhaft zu sichern. Besonders nach der Niederlage gegen den Stadtstaat Theben im Jahr 371 v. Chr. musste es seine Vormachtstellung aufgeben. Es kam zu Tendenzen der Abschottung nach außen.

Im 2. Jhd. v. Chr. geriet Sparta unter römische Herrschaft, konnte aber seinen Status als freie Stadt „auf dem Papier“ bis ins 3. Jhd. n. Chr. aufrecht erhaltenn. Im Mittelalter war Sparta nicht bewohnt. Die Neugründung in unmittelbarer Nähe der antiken Stätte erfolgte 1834 durch König Otto von Griechenland. Eine Besonderheit in der Erzählung über die spartanische Historie ist, dass es keine originären schriftlichen Quellen der Spartiaten gibt, was zu Verklärungen der Geschichte Spartas geführt hat. Die Idealisierung Spartas findet ihren Ausdruck in der Person des Gesetzgebers Lykurg – Initiator der Verfassung Rhetra im 8. Jhd, v. Chr. – und in König Leonidas, unter dessen Führung 300 Spartiaten und 1000 Thebaner im Jahr 480 v. Chr. nach einem Verrat in den eigenen Reihen im erbitterten Kampf gegen die Perser bei den Thermopylen (Pass in Mittelgriechenland) fielen.

Die baulich-antiken Zeugen Spartas sind in ihrer Wahrnehmbarkeit überschaubar, ihr Erhaltungszustand lässt Wünsche offen. Die Akropolis von Sparta war ein Hügel, auf dessen Plateau der Tempel der Athene Chalkioikos (Stadtgöttin von Sparta) stand. Reste der Stadtmauer und einer Stoa sind gegeben. In der Agora befanden sich die Versammlungs- und Amtsgebäude sowie das mit weißem Marmor ausgestattete Theater aus der frühen römischen Kaiserzeit. In dessen Nähe befinden sich die Ruinen römischer Bäder. Die Stadt hatte darüber hinaus noch weitere Tempel und Monumente, deren Erkennbarkeit schwierig ist, u. a. der Dromos mit zwei Gymnasien oder Überreste des Heiligtums der Artemis Orthia am Fluss Eurotas. „Wenn Sparta verödete und nur die Tempel und Grundmauern der Bauten blieben, würden die Späteren gewiss voller Unglauben seine Macht im Vergleich zu seinem Ruhm bezweifeln“ (Thukydides, z. n. Baedecker, siehe Quellen). Nach unserem Besuch im antiken Sparta ist dem nichts hinzuzufügen – Sparta bleibt dennoch historisch erhaben. Die Fotos entstanden auf einer geführten Privatreise im Herbst 2022. Artikel bei Wikipedia zu: SPARTA

Quellen: Baedecker, Allianz Reiseführer Griechenland, 9. Auflage 1997, S. 41, 120, 495-497, (Autorenkollektiv, B. Abend,et..al.) /Antike Stätten am Mittelmeer, Metzler Lexikon, Verlag J. B. Metzler, 1999, St. Brenne, S. 332-334 / Antike, Metzler Lexikon, Verlag J: B: Metzler, 2. Auflage, 2006, S. 335, 458-459, 561-562 / Griechische Mythologie, Verlag Michalis Toubis S. A., Athen, @1995, Sofia Souli, Übersetzung. H. E. Langenfass, S. 37 / Wikipedia, Beiträge zu SPARTA: https://de.wikipedia.org/wiki/Sparta, Bildnachweise: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Round_building_(Sparta)/media/File:Round_building_and_roman_stoa_2.jpghttps://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/Temple_of_Athena.jpg, https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Menelaion/The_Menelaion_(Sanctuary_of_Menelaus_and_Helen)_in_Sparta.jpg

 

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